Durchfallerkrankungen

Von Durchfall (Diarrhoe) spricht man bei mindestens drei dünnflüssigen, breiigen oder wässerigen Stühlen in 24 Stunden. Das tägliche Stuhlgewicht muss 200g überschreiten. Der Durchfall ist keine eigenständige Krankheit. Es handelt sich vielmehr um ein Symptom einer Erkrankung. Manchmal kommt es zu schmerzhaft gesteigerter Darmtätigkeit mit Krämpfen im Bauch und Unterbauch (Tenesmen). Zu unterscheiden sind akute und chronische Durchfälle.

Mögliche Ursachen eines akuten Durchfalles können sein:

Reisediarrhoe
Verursacher dieser Erkrankung sind meistens Bakterien z.B. Escherichia coli. Die Bakterien gelangen über verunreinigtes Trinkwasser oder ungekochte Lebensmittel  in unseren Verdauungstrakt. Unterkühlungen durch den Verzehr von großen Mengen Speiseeis, oder Unterkühlung durch das Tragen der nassen Badekleidung können der Auslöser sein. Bald stellen sich wässerige Stühle ein. Blut oder Schleim treten im Stuhl nicht auf. Begleitet werden sie durch krampfartige Bauchschmerzen. Auch Schüttelfrost, Schwäche und Übelkeit oder zumindest Appetitlosigkeit können auftreten. Die Beschwerden klingen nach 2-5 Tagen von selbst wieder ab.

Vergiftung
Zu Intoxikationen kommt es meistens durch den Verzehr von verdorbenen Lebensmitteln. Oft sind mehrere Personen von der Vergiftung betroffen. Die ersten Symptome treten spätestens sechs Stunden nach dem Verzehr der verdorbenen Speise auf. Neben Durchfall können weitere Krankheitszeichen auftreten. Diese richten sich nach dem Erreger.

Virusinfektion
Als bekannteste Infektion dieser Gruppe ist die "Darmgrippe" zu nennen. Sie tritt meistens in der kalten Jahreszeit auf. Besonders Kinder sind hiervon betroffen. Die Viren nisten sich in der Schleimhaut des Darmes ein und vermehren sich dort rapide. Bis zu fünfzehn wässrige Stühle am Tag sind die Folge. Häufig kommt es zu Erbrechen. Fieber und leichte bis mittelschwere Bauchschmerzen sind möglich. Die Erkrankung endet nach ca. zwei bis vier Tagen ohne Komplikationen.

Cholera
Die Erreger der Cholera, die Vibrio cholerae, werden meist durch verunreinigtes Trinkwasser aufgenommen. Sie tritt endemisch in Indien, Südostasien und Afrika auf. Nur bei  ca. 10% der Infizierten treten Krankheitszeichen auf. Hier kommt es zu akutem Brechdurchfall erst mit breiigen, dann wässrigen Stuhlentleerungen. Später sind die Stühle reiswasserähnlich. Der Kranke hat kaum Schmerzen. Fieber fehlt, ja es kann sogar, durch den massiven Flüssigkeitsverlust, zu Untertemperaturen kommen. Es besteht die Gefahr der Austrocknung.

Salmonellose
Salmonellen sind Bakterien, die zum Teil auf den Menschen spezialisiert sind und schwerste Erkrankungen hervorrufen können. Auch die Erreger des Typhus und des Paratyphus gehören zu der Familie der Salmonellen. Andernfalls können Infektionen mit Salmonellen auch unbemerkt, also ohne Krankheitszeichen, auftreten.

Die Inkubationszeit beträgt oft nur wenige Stunden. Als erste Anzeichen stellen sich Übelkeit, dann Durchfall oder auch Brechdurchfall ein. Krämpfe sind häufig. Der Wasser- und Elektrolytverlust ist beträchtlich. Es stellt sich Fieber bis 39C ein, das ein bis zwei Tage anhält. Durch den hohen Wasserverlust besteht für Kinder und alte Menschen die Gefahr der Austrocknung.

Chronische Diarrhoen
Von chronischen Durchfällen spricht man, wenn diese vier Wochen oder länger dauern. Chronische Durchfälle werden meist nicht durch eine Infektion hervorgerufen.

Reizkolon
Der Colon irritabile ist eine funktionelle Störung. Häufig ist eine nicht richtig behandelte Stressverarbeitung der Auslöser. Zunehmend kommt das Serotonin ins Gespräch. Man hat festgestellt, dass es im Bauch ein zweites "Gehirn" gibt. Dieses Bauchhirn steuert viele Prozesse des Verdauungstraktes selbständig. Das Bauchhirn sorgt so für die Ausschüttung von Serotonin. Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem die glatte Muskulatur des Darmes anregt. Dadurch kommt es zu einer gesteigerten Darmmotorik. Die Patienten werden mit Durchfällen oder auch Verstopfung geplagt. Blut und Schleim werden im Stuhl jedoch nicht gefunden. Es kommt jedoch zu Bauchschmerzen, Blähungen, Schwitzen, Sodbrennen und Rückenschmerzen. Auch der Roemheld Symptomenkomplex kann vorliegen. Zudem wird Serotonin als ein Auslöser von Migräne vermutet.

Colitis ulcerosa
Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine rezidivierende Entzündung des Dickdarmes. Wie der Name sagt, finden sich im Darm zahlreiche blutende Geschwüre. Der Durchfall ist blutig und schleimig. Häufig werden die Betroffenen von heftigen Leibschmerzen geplagt. Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Vermutet werden zunehmend psychische Vorgänge. Bei ca. 60% der Kranken ist der Schock durch den Verlust einer nahestehenden Person der Auslöser der Krankheit.

Morbus Crohn
Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt von der Speiseröhre bis zum After befallen. Meistens lokalisiert sich die Erkrankung jedoch im Darm. Die betroffenen Gebiete sind entzündet. Durch die Entzündungen kann es wie bei der Colitis ulcerosa zu blutenden Geschwüren aber auch zu Fisteln kommen. Es entwickeln sich Abszesse, die Darmwand verdickt sich und stellt später ein Passagehindernis dar. Auch hier ist die Ursache unbekannt. Man beobachtet eine erbliche Komponente. Die Symptome können als heftige Koliken mit schmerzhaften Durchfällen einsetzen.

Tumorerkrankungen
Störungen der Verdauungsvorgänge können durch Tumoren des Darmes, des Magens, der Leber oder der Bauchspeicheldrüse auftreten. Für Durchfälle können besonders Tumore des Dünndarmes sorgen. Sie sezernieren Hormone wie Serotonin. Durchfälle bis zu fünf Litern am Tag können die Folge sein. In der Regel bestehen weitere gravierende Krankheitszeichen.

Spruesyndrom/Zöliakie
Getreide aus Weizen, Roggen und Gerste haben als Inhaltstoffe Klebereiweiße (Gluten). Diese sorgen dafür, dass der Kuchen oder das Brot zusammenhält. Gluten sind Auslöser einer Überempfindlichkeit der Schleimhaut des Dünndarmes. Wird auf diese glutenhaltigen Nahrungsmittel nicht verzichtet, kommt es zu schweren Schädigungen der Darmschleimhaut. Die sogenannten "Darmzotten" verschwinden. Die Haut verliert nach und nach die Fähigkeit die Nährstoffe aus dem Darminhalt in den Körper aufzunehmen. Die Durchfälle sind voluminös und breiig und übelriechend. Häufig glänzen die Stühle, weil auch das Fett nicht resorbiert wird. Später stellen sich auch Symptome ein, die durch Vitaminmangel verursacht sind.
Hier kann nur eine strenge Diät mit glutenfreier Kost helfen.

Allergien
Allergien auf bestimmte Lebensmittel oder Zusatzstoffe können sich auf den Darm auswirken. Besonders Kuhmilch, Nüsse, Eier aber auch Gewürze wie Anis und Curry sind Auslöser von Allergien im Darm. Ca. ein bis zwei Stunden nach Verzehr des entsprechenden Lebensmittel treten als erste Erscheinungen Übelkeit, Leibschmerzen, Asthma und auch Hautrötungen auf. Nach weiteren zwei Stunden folgen dünnflüssige Stühle und Erbrechen.
Auch Medikamente wie Antirheumatika, Herzglykoside, Antazida und Eisenpräparate können Auslöser von Allergien sein. Die Symptome treten in der gleichen Reihenfolge wie zuvor beschrieben auf.

Alkoholbedingte Durchfälle
Bei chronischem Alkoholabusus kann es neben anderen Symptomen ebenfalls zu Durchfällen kommen. Meist liegen dann schon andere Erkrankungen des Verdauungstraktes vor.

Medikamentenbedingte Durchfälle
Nicht nur ein Abführmittel-Abusus, sondern auch andere Medikamente sind in die Untersuchung nach der Ursache von Durchfällen einzubeziehen. Antazida, Antibiotika, Diuretika, Zytostatika und Mittel zur Gewichtsreduktion kommen als Auslöser von Durchfällen infrage. Die einzig richtige Therapie ist das Absetzen der entsprechenden Medikamente. Nötigenfalls sind andere Medikamente zu wählen.

 

Selbsthilfe
Der chronische Durchfall gehört auf jeden Fall in die Behandlung geschulter Therapeuten. Findet sich Blut im Stuhl oder besteht ein schweres Krankheitsgefühl mit Temperaturen über 38,5C, ist ebenfalls ein Therapeut zu konsultieren.

Sinnvoll und richtig ist die Selbsthilfe bei der Reisediarrhoe, der Darmgrippe und leichten Vergiftungen.
Es ist in erster Linie Bettruhe einzuhalten. Der Leib ist zusätzlich zu wärmen. Wärmflasche, Körnerkissen, Heusack oder Fango-Packungen kommen als Therapie in Frage. Treten neben dem akuten Durchfall weitere Krankheitszeichen auf, oder bessert sich die Erkrankung nicht innerhalb 24 Stunden, so ist ein ärztlicher Rat einzuholen.
Das Hauptziel der Behandlung besteht in der ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Hierzu kann man selbst eine Trinklösung herstellen:

1 Liter Wasser (abgekocht oder stilles Mineral- oder Heilwasser)
4 Esslöffel Rohrzucker
1/2 Teelöffel Kochsalz
1/2 Teelöffel Natriumkarbonat
1/4 Teelöffel Kaliumchlorid.
Gegebenenfalls können Fruchtsäfte beigemischt werden.

Ferner gibt man Tee (keinen schwarzen Tee, keinen Kaffee und auch keine Milch), stille Mineralwässer, Suppen und Brühen. Die Getränke sollen warm sein und eine beruhigende Wirkung auf die Darmschleimhaut ausüben. Bewährt haben sich auch Heidelbeer- und Preiselbeersaft. Auf feste Nahrung sollte bis zum Abklingen der Durchfälle verzichtet werden. Die Trinkmenge richtet sich nach dem Flüssigkeitsverlust. Sie sollte 2 Liter pro Tag nicht unterschreiten.

Als erste feste Nahrung sind Zwiebäcke und leicht gesalzener Haferschleim (mit Wasser, nicht mit Milch) geeignet. Der geriebene Apfel oder die Banane gehören zu den klassischen Hausmitteln. Gedünstetes Gemüse wie Karotten oder Tomaten können folgen. Gewürzt wird mit Küchenkräutern. Gut geeignet ist Knoblauch, da er eine antibakterielle Wirkung hat. Geflügelfleisch und Fisch sind ebenfalls zu dünsten oder zu kochen (nicht braten).

Präparate mit adstringierender Wirkung ziehen die Darmschleimhaut zusammen. Damit verhindern sie ein Einströmen von Flüssigkeit. Die Konsistenz des Stuhles wird dadurch fester. Solche Präparate enthalten Blutwurz- und Uzarawurzel, Heidelbeeren, Brombeerblätter und Eichenrinde.

Heilerde kann ebenfalls den zu hohen Wassergehalt des Stuhles binden und so bei Durchfall helfen. Man löst einen Teelöffel Heilerde in 1/4 Liter Wasser auf und trinkt zügig aus.

Die Kohle-Tabletten bewirken nur eine Verhinderung der Resorption von Giften. Medizinische Kohle ist nicht wirksam bei Vergiftungen mit organischen oder anorganischen Salzen sowie Lösungsmitteln. Bei Vergiftungen mit Säuren oder Laugen und bei Fieber darf medizinische Kohle nicht eingenommen werden.

Natürlich besteht ein Alkohol- und Nikotinverbot. Auf eine gründliche Sauberkeit, Körperhygiene, saubere Leib- und Bettwäsche ist ebenfalls zu achten.

 

 

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